Resozialisieren -Was zuerst? Mensch oder Pferd?

Wir Menschen glauben leider immer, daß wir federführend sind. Dabei lehrt uns jedes neue Pferd von der ersten Minute an, die es bei uns ist. Mich hat es gelehrt, wertfrei zu denken und an ein Pferd ohne Vorurteile heranzugehen. Das ist der erste Schritt, um schwer traumatisierten Pferden einen neuen Weg geben zu können.

Ich nehme als Beispiel für diesen Teil meiner Arbeit immer Nuca, meinen Großeselmix, da bei ihm die physische Schädigung sichtbar war. Halb verhungert, verwahrlost, das Fell mit Exkrementen verklebt, mit den Hinterbeinen austretend, sich nicht anfassen lassen wollen und bei jeglicher unbewusster Bewegung eines Menschen, sofort in Panik verfallend- so ist er zu uns gekommen. Nun stelle ich die Frage: Hätten Sie diesem Pferd eine Chance eingeräumt und geglaubt, daß man ihn im Kundenbetrieb einsetzen könnte?

 

 

Resozialisieren ist wie die Frage nach dem Huhn und dem Ei. Traumatisierte Pferde haben Schäden durch Unfälle oder aber durch Menschenhand erlitten. Oftmals -und das ist nun meine Erfahrung nach den Jahren- reichen aber auch Kleinigkeiten, die sich die Pferde einprägen. Dann kommt es zu einer Negativspirale. Das Pferd wird seinen Unmut/ Schmerz oder seine Unbefindlichkeit in irgendeiner Weise mitteilen. Oftmals kommt hier der Begriff „Unart“ zum Einsatz. Also Drohen, Zwicken, Beißen, Kopfschlagen, Bein heben oder Treten, Schweifschlagen, bis hin zu Steigen, Buckeln, Durchgehen, den Reiter an die Wand drücken und so weiter auf der einen Seite – in sich zurück ziehen, bis zur Apathie oder Lethargie auf der anderen Seite. Der Mensch nun reagiert wiederum auf die Unart, das Pferd fühlt sich missverstanden und reagiert heftiger, bis es vielleicht nicht mehr geht und die Kommunikation vollkommen gestört ist. 

 

 

 

Ich habe dieses Wort „Unart“ aus meinem Wortschatz gestrichen und zwar komplett. Es gibt keine Unarten. Es gibt nur Pferde, die sich mitteilen.

 

 

 

Nun gibt es gottseidank die Horseman, die sich seit mittlerweile vielen Jahren darum bemühen, den Pferden auf ihrem Weg zu helfen. Jede Art, die zweckdienlich ist, ist in meinen Augen gut um der Partnerschaft Mensch-Pferd wieder zur Gesundung zu verhelfen. Nur gibt es für mich auch hier ein „Aber“.

 

 

 

Die Pferde nehmen alle UNSERE Befindlichkeiten in sich auf. Das sie uns spiegeln, ist nun auch mittlerweile hinreichend publiziert und bekannt, da möchte ich das Rad nicht neu erfinden. Was bedeutet das nun. Das Horseman-Chip bemüht sich die Pferde so auszubilden, daß sich alle Skills beherrschen, um ein guter Partner sein zu können. Sie lernen meist mit Bodenarbeit zahlreiche Übungen, die ihnen Halt, Sicherheit und Grenzen geben. Wenn der Trainer dann die Besitzer selbst mit einbeziehen, um so besser.

 

Dennoch- etwas fehlt. Das ist wie bei einer Kur. Man fährt hin, macht alles mit und gelobt, zu Hause alles zu ändern... Nun, ich denke, wir alle wissen, was zu Hause geschieht. Vielleicht hält es noch eine Weile an, aber dann kommen schleichend die alten Schemata, die alten Sorgen und Nöte und alles wird schlimmer als vorher. Nur wenige besitzen die Disziplin, das Erlernte weiter durchzuziehen. Das bedeutet nämlich, das der Pferdebesitzer alte Gewohnheiten über Bord wirft und zwar vollkommen und seine eigenen Befindlichkeiten/ Marotten etc komplett hinterfragt.

 

 Hier nun setze ich mit meinem Konzept an.